Ich will es nicht schönreden: ich kam, wie viele Quereinsteiger, in den 90ern als Nerd zur Fotografie. Die neuen technischen Spielereien reizten, und die mangelnde fotografische Kompetenz versuchte man mit Fachsimpeleien in Fotoforen zu kompensieren. Man war ja eh unter sich.

So wirklich ernst hab ich das alles Anfangs nie genommen. Irgendwo um 1990 herum hat mein damaliger Chef eine Canon Ion RC-260 angeschafft. Eine sogenannte „Still Video Camera“ die Bilder analog (!) auf kleinen 2″ Video Floppy Disks speicherte, die man auch ausschließlich in der Kamera abspielen konnte. JPG war damals noch nicht mal erfunden, also hat man die Bilder über eine sündhaft teure Videoframegrabber-Karte in den ebenso sündhaft teuren Macintosh IIfx digitalisiert. Scanlines inklusive.

Einige Zeit später wurde es endlich digital und auch Apple sprang mit den QuickTakes auf den Zug ins Nirgendwo auf. Als Apple Händler hatten wir natürlich einige verschiedene Modelle zur Hand, aber so richtig gezündet hat es bei 320×240 Pixeln dann doch nicht (vom „HiRes“ Format 640×480 konnte man gerade mal 8 Bilder auf der QuickTake speichern, bezahlbare Wechselmedien standen noch auf der Wunschliste).

Erst viel später widmete ich mich dem Thema „Digitalfotografie“ intensiver. Mein kurzer historischer Rückblick über die wichtigsten (Digital-) Kameras meiner fotografischen „Karriere“ (und nicht ganz so umfangreich wie meine „Computerkarriere„):

SiPix SC2300 „Deluxe“

Um 2003 herum versuchte ich es dann doch mal mit der Digitalfotografie. Das lag wohl vor allem daran, das mir damals für knappe 200 D-Mark vom Grabbeltisch eine SiPix SC2300 „Deluxe“ angeboten wurde. Diesmal immerhin 2.1 Megapixel (1600×1200 Pixel, auch heute noch genug für 10×15 Abzüge) und man konnte bezahlbare „SmartMedia“ Karten verwenden. Abgesehen vom Farbdisplay auf der Rückseite sah die SiPix schon nach einer normalen Kompaktkamera aus dem Spielzeughandel aus.

Die Bildqualität war – höflich ausgedrückt – miserabel, aber unter guten Bedingungen (strahlender Sonnenschein, wenig Kontrast im Bild und kein Motiv auf das man fokussieren möchte), konnte man sogar erkennen was man da abbilden wollte. Den Himmel zum Beispiel. Oder Grünflächen. Einfarbige Betonwände gingen auch.

Die Kamera wurde dann aber schnell in Rente geschickt als sie zwei mal in Folge Speicherkarten und deren Inhalte zerstört hat und das ganze Thema geriet wieder in Vergessenheit.

Sony F505 und F717

Ein fotografierender Arbeitskollege, der neben seiner Nikon Filmkamera auch mal ins Digitale schnüffeln wollte, drehte mir 2004 seine bereits recht betagte Sony DSC-F505 an. Das war schon mal eine ganz andere Hausnummer. Hey, da stand sogar „Zeiss“ vorne auf dem Objektiv! Ich hatte endlich Freude an der Fotografie und in der Fotocommunity fand ich sogar Gleichgesinnte! Die machten mir dann natürlich auch klar das meine Knippse schon lange nicht mehr „State Of the Art“ war und überzeugten mich davon auf die aktuellere F717 zu wechseln. Somit unterlag ich zum ersten Mal dem „Forenzwang“. Und es war auch nicht das letzte Mal.

Mit der F717 hatte ich lange sehr viel Spaß. Ich habe mich ernsthaft in das Thema eingearbeitet und auch erstmals meine Bilder in Foren gezeigt. Alles mögliche wurde fotografiert, ein wackeliges Stativ angeschafft und ich zog Abends durch meine Wahlheimat Berlin und fotografierte Panoramen und Stadtlandschaften bei Nacht. Sogar für Immobilienprospekte wurden meine Bilder verwendet. Kein Witz.

Zu dieser Zeit kamen auch die ersten „bezahlbaren“ digitalen Spiegelreflexkameras für die breite Masse auf den Markt, Canon war mit der EOS 300D der Vorreiter. Alles, was etwas auf sich hielt, wechselte ins „Profilager“ (als Profi galt damals jeder, der sein Objektiv abschrauben konnte). Sony hat allerdings nur die F717 auf die F828 aktualisiert und später gegen die R1 ausgetauscht. Spiegelreflex? Fehlanzeige. Das kam erst viel später mit der Übernahme von Minolta.

Olympus E300

Wie das so ist, das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Viele meiner Forenkollegen wechselten auf die Canon 300D oder blieben mit DSC-R1 bei Sony (und stiegen früher oder später aus). Das Lager war jetzt gespalten in DSLR und Bridge (so nannte man unsere Kameras nun) und bei den regelmäßigen Fotostammtischen konnte man als Bridge-Eigner beim fachsimpeln über die verschiedensten Objekte nicht mitreden.

Irgendwann tauchte mit Getöse Olympus mit seiner E1 und dem FourThirds Standard auf. Das war was nach meinem Nerd-Geschmack: ein System von Grund auf für die digitale Fotografie entwickelt. Kein unleidlicher Cropfaktor mehr, sondern Objektive, die auf den Sensor abgestimmt waren! Leider war die E1 ganz klar an die professionellen Fotografen adressiert – das Teil war quasi wasserdicht – und damit weit ausserhalb meines nicht vorhandenen Budgets.

Das sollte sich dann ändern mit der E300. Immer noch eine Stange Geld für mich, aber nach langem Kampf trug ich 2005 stolz den Karton mit dem Kit nach Hause. Alter Verwalter, das war echt mal ’ne andere Liga. Wenn man zum ersten mal den Spiegelschlag hört und spürt, weiss man wie Ohrotik und Haptik funktioniert 😊.

Durch den FourThirds Standard hatte die Kamera ein sehr geringes Auflagenmaß (damals hatte ich natürlich keine Ahnung was das Ganze überhaupt bedeutet) und man konnte via Adapter viele (manuelle) Objekte von anderen Herstellern verwenden. Heute gerne als „Altglas“ tituliert, waren damals OM und Tokina gern gesehene Gläser an der E1 und E300. Allerdings hatten wir dann auch hier das DSLR-„Problem“: der Cropfaktor. Aus meinem Zuiko OM 50/1.4 wurde quasi ein 100mm Objektiv (vom Bildwinkel her!).

Zur E300 wurde dann endlich ein „ordentliches“ Stativ von Manfrotto mit einem „Geared Head“ angeschafft, eine schöne Stange Geld, aber das alte Fotografen-Sprichwort stimmt: ein gutes Stativ schafft man nur einmal im Leben an. Das Manfrotto ist noch heute, 2021, bei mir im Einsatz und hat echt einiges erlebt.

Für neue Erfahrungen sorgte auch der Metz mecablitz 54 MZ-4i, mit der Kombination habe ich einige Veranstaltungen und Feiern fotografiert. Später wurde noch ein zusätzlicher 58-AF2 angeschafft, beide Blitze wurden vom Kamerablitz über Fotozellen von Hama ausgelöst. Aber viel habe ich am Ende damit nicht gemacht. Mein Beruf liess – mal wieder – meiner Freizeit wenig Raum und so verstaubte die Ausrüstung im Schrank.

Leica Digilux 3 

Jahre später sollte ein Besuch im KaDeWe die Wende einleiten. Mal wieder. Natürlich träumt jeder Fotograf von einer Kamera mit einem roten Punkt (wer es nicht zugibt, traut sich nur nicht). Da läuft man nun so durch die Leica-Abteilung und staunt ob der schönen tollen und verf***ckt noch mal zu teuren Kameras und Objektive und findet in der Vitrine, etwas in der Ecke versteckt, ein wohlbekanntes Symbol: FourThirds. Bei Leica?!

Tatsächlich. Leica hat 2006 mit der Digilux 3 eine FourThirds Kamera veröffentlicht. Angeflanscht war ein stabilisiertes Vario Elmarit 14-50mm/ƒ2.8-3.5.

Stabilisert. Elmarit. Effzweikommaacht. Zweitausendfünfhundert Euro. Ich hyperventilierte und wurde erst mal ins Bistro getragen. Eine Woche später trug ich dann den Karton heim. Das muss so Anfang 2007 gewesen sein. Die Oly E300 wanderte zu eBay und ich wollte mir lange Zeit nicht eingestehen das die Digilux am Ende nichts weiter als eine glorifizierte und überteuerte E330 war. Bis auf die Linse, die war wirklich der Hammer.

Denn das ist mittlerweile auch bei mir angekommen: die Linse ist der wichtigste Teil im System. Der Body, schön und gut, aber wenn da eine Colaflasche vor den Sensor geschraubt wird, kann auch der beste Bildwandler nichts brauchbares aufzeichnen.

2010 wollte ich dann auch (mal wieder) ernsthaft in die Studiofotografie einsteigen, diesmal aber mit eigener Ausstattung. Den Anfang machte ein Interfit Blitzsystem, bestehend aus zwei Köpfen, einer Softbox und einen Schirm. Große Pläne wurden gemacht, verwirklicht allerdings nie.

Die Oly und die Leica haben den gleichen, recht kleinen und bauartbedingten dunklen Sucher, was im Laufe der Jahre dazu führte, das ich mit meiner Brille kaum, und ohne gar nicht vernünftig fotografieren konnte. Zwischenzeitlich wurde eine Olympus PEN E-P1 als leichte Reisekamera angeschafft und am Ende habe ich fast nur noch mit dieser (Sucherlosen) Kamera über das Display auf der Rückseite fotografiert. Und auch das immer weniger.

Wie ging es weiter?

Lange Pausen liegen immer wieder zwischen meinen Anläufen und bis auf gelegentliche Schnappschüsse mit dem Handy habe ich lange keine Kamera in den Händen gehabt. Das sollte sich dann endlich im 2016 ändern. Nachhaltig.

Meine Liebste (die ja bekanntlich die beste Frau der Welt ist) und ich gehen eines Nachmittags durch die Mainstreet und beim Heimweg sah ich im Erotikshop im Fenster diese Schönheit. Ich musste natürlich einmal rein und sie anfassen. Liebe auf den ersten Click! (Entschuldigt bitte das Wortspiel).

Die Liebste war nicht sonderlich begeistert und sperrte sich lange, willigte aber am Ende ein: die Anschaffung wurde unter der Prämisse genehmigt, das ich ein paar der alten Kameras verkaufe (die lagen ja fast alle noch in der Garage herum) und ich solle auch endlich wirklich fotografieren. Wenn ich nicht in 12 Monaten vorzeigbare Ergebnisse liefere, mache sie mir die Hölle heiss. Und das ist ’ne Ansage!

Die Leica ging dann für einen eher symbolischen Preis an eine junge Dame, die sich frisch mit der Fotografie auseinandersetzen wollte.

Die PEN-F ist mit ihrem Retrolook eine wunderdschöne Street-Kamera. Und als solche habe ich sie auch angeschafft. Wie das so oft mit meinen Plänen ist, gehen sie meistens schief. Ich fotografierte auf einmel immer mehr Portraits und holte dann auch meine Blitzgeräte wieder aus der Garage.

Unverzagt legte ich los und scheiterte an Vielem. Das mit der Lichtsetzung klappte nicht so wie ich es mir vorstellte, meine Kompositionen stimmten vorn und hinten nicht und so packte ich die Kamera wieder ein und ging zurück auf die Schulbank. Alles auf null und noch mal vorne angefangen. Fast ein Jahr lang besuchte ich mehrmals wöchentlich Online-Kurse unter anderem bei Lindsay Adler, Felix Kunze, Sue Bryce und Krolop & Gerst zum Thema Personen- und Studiofotografie. Das hat sicherlich auch eine Stange Geld gekostet, war aber am Ende gut angelegt. Ich wurde sicherer im Studio und die Bilder wurden langsam weniger schlecht.

Die PEN F war, trotz Zusatzgriff, im Hochformat nicht sonderlich handlich, und da ich mittlerweile fast hauptsächlich Personen fotografierte, waren die oft stundenlangen Sessions eher ein Krampf für mich. Der Zufall wollte es, das ich bei eBay eine sehr preiswerte E-M1 mit Hochformatgriff fand, welche auch spontan angeschafft wurde. Komplettiert wurde das ganze durch eine Reihe von Objektiven, von denen ich heute wahrscheinlich mehr als 3/4 nicht mehr anschaffen würde.

Und heute?

Das ist am Ende schnell erzählt. Meiner betagten Oly E-M1 wurde eine etwas weniger betagte Sony Alpha 7 II zur Seite gestellt, mit der ich heute hauptsächlich fotografiere. In meinem Arbeitszimmer hänge ich nun regelmäßig Bilder von meinen Sessions auf, die ich über meinen Epson R3800 selbst ausdrucke.

Mittlerweile habe ich mir ein kleines aber feines Heimstudio eingerichtet und fotografiere regelmäßig und gern im Studio oder On-Location. Vom inszenierten Portrait über Fashion und Homestories bis hin zum Akt (🔞) ist eigentlich alles dabei.

Einigen scheinen meine zu gefallen, und so werde ich für Headshots, Portraits, Produktpräsentionen und Fashhion, Schwangerschaftsfotos oder Immobilenpräsentationen gebucht.

Wer mag, kann sich einige meiner Arbeiten auf Instagram oder Fotografen-Webseite anschauen.

Natürlich war meine Ausrüstung teuer und ich mache keine besseren Bilder dadurch. Aber ich habe viel mehr Spaß an meinen schlechten Bildern.

Und wie schaut es bei Euch aus, wie war Eure Kamerageschichte?


Teaserfoto von DESIGNECOLOGIST on Unsplash