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Berlin betrachtet
Ältere Geschichten und Beobachtungen aus Berlin, meiner ehemaligen Wahlheimat für über 7 Jahre. Berlin ist anders, Berliner sind anders. So grau und doch wieder unglaublich schillernd und bunt.
Flip Flops.
Flip Flops. Die Badepantine, der Fuß in Selbiger und ein Restaurant. Mit den sinkenden Temperaturen verschwindet der Sommer und mit ihm auch die sogenannten “Flip Fops” aus dem Straßenbild. Jene zur modischen Fußbekleidung mutierten Badelatschen, die uns einst als Kind bei Badeurlauben schon von den Eltern am Strand aufgezwungen wurden. Ich fand diese unbequemen Kunststoff-Treter mit den scharfen Kanten, die selten von selbst am Fuß blieben und nur durch festtackern zum halten bewegt werden konnten, schon damals ätzend. Um der...
Beitrag lesenDas Bügeleisen.
Heute morgen, ich konnte nach etlichen Wochen endlich einmal eine Nacht vollständig durchschlafen, war ich voller Tatendrang *1. Wie ich da so aus dem Bad komme denke ich mir “Hoppla, die Hose müsste noch mal gebügelt werden.” Also wird der Bügeltisch aufgebaut und das Bügeleisen *2 vorgeheizt. Oder war es der Backofen, der da vorgeheizt wurde? Aber im Backofen bügelt man keine Hosen. Also habe ich wohl das Bügeleisen *3 vorgeheizt. Nun denn, ich beginne sogleich mit dem Glättvorgang und während ich so müde vor mich...
Beitrag lesenMorgendliche Isolation
Schon komisch. Vielleicht achtet man ja selber kaum noch darauf, aber heute hatte ich meinen mobilen Musikabspieler für digitale Tondokumente nicht dabei und sitze nun so mit meinem Café Latte Machiato (stilecht im Pappbecher) in der U-Bahn herum *1 und wundere mich über die Stille. Nicht das mir die Töne aus den – nicht vorhandenen Ohrhörern – fehlen, sondern das morgendliche Gebrabbel der Fahrgäste (an das ich mich noch zu erinnern meine) glänzt mit Abwesenheit. Ein vorsichtiger Blick in die Runde – der Bahnfahrer...
Beitrag lesenGähnreflex.
Die U-Bahn Station “Warschauer Straße” ist ein ein Endbahnhof, hier verbringt man mit anderen Fahrgästen oft gemeinsam ein wenig Wartezeit bis die Bahn endlich losfährt. Man sitzt sich gegenüber, starrt auf seine Stiefelspitze und versucht den direkten Blickkontakt zu vermeiden – was nicht immer gelingt, da die Langeweile oder eigene Neugier (oft letztere) den Blick musternd schweifen lässt. Das Warnsignal der schliessenden Türen erklingt, schnell springt noch eine junge Dame in den Waggon und lässt sich auf die Bank...
Beitrag lesenZu kalt.
Zu kalt. Am Sonntag hatten wir noch knapp 11°, das lud geradezu zu einem Spaziergang ein. Ein paar Mutige tranken ihren Kaffee schon draussen vor dem Café, die spärliche Sonne geniessend. Und nun? Keine 48 Stunden später ist die Temperatur um fast 15° gefallen und die Autofahrer fluchen ob der rutschigen Straßen und überfrorenen Brücken – das sie es nicht besonders lustig finden, die Scheiben freikratzen zu müssen soll nicht weiter erwähnt werden. Verrücktes Wetter das: der 5. Dezember 2006 war übrigens wärmer als der 5....
Beitrag lesenVierundzwanzig.
Nein, ich meine damit jetzt nicht die spannende Fernsehserie mit dem Helden “Jack Bauer” der stets im Stundentakt die Welt rettet sondern den Jahresendzeitcountdown der in fast jedem Haushalt im Dezember alltäglich zelebriert wird. Kaum ein Hersteller im Lebensmittel- und Non-Food-Bereich der neuerdings nicht mit einem Adventskalender aufwartet. Feine englische Minz-Plättchen werden zu deutlich überhöhten Preisen zu zwei Dutzend in eine flache Tafel gepresst. Welch Überraschung beim öffnen der Türchen – allerdings legt...
Beitrag lesenEs lebe die Infantilität.
Erinnert Ihr Euch noch wie wir einst mit zusammengepressten Lippen und weit aufgerissenen Augen über dem Lautsprecher unseres leiernden Mono-Kassettenrekorders gehangen haben und den Abenteuern von Hui Buh (dem Schlossgespenst), TKKG, den “Drei Fragezeichen” lauschten und vor Spannung noch nicht mal auf’s Klo gingen? Als ich heute morgen auf dem Weg zur Arbeit über meinen iPod das siebte Kapitel des Hörbuches “Die Dritte Macht” lauschte – die Senioren unter uns entsinnen sich noch an Perry Rhodan –...
Beitrag lesenEin schönes Paar.
Ich sehe die beiden fast jeden Tag. Gemeinsam schlängeln sie sich mit mir oft durch den morgendlichen BVG-Berufsverkehr. Sie ist ein fröhlicher Typ, lacht gern und schüttelt dabei ihre rote -offensichtlich schwer zu bändigende- Haarmähne wenn ihr Begleiter Faxen macht während die beiden gemeinsam auf den Bus oder die Bahn warten. Er, ein dunkler und eher bodenständiger Typ mit glänzenden und unternehmungslustigen Augen, weiss immer wo’s lang geht und führt sie sicher durch das Gewühl ohne anzuecken. Sie vertraut ihm völlig,...
Beitrag lesenDas Konzert.
Kaum ein Besucher scheint unter 35 zu sein. Die wenigen jüngeren Ausnahmen schauen verstört, aber hoffnungsvoll, in die Runde. Immerhin sind kaum Hardliner zu sehen. Es wird am Wetter liegen: bei 35 Grad zwängt man sich nicht in seine Leder- und Jeanskluft und toupiert sich 80er-Jahre gerecht die Haare hoch. Auch das poppig bleiche Make-Up würde nur verlaufen, da muss halt ein einfacher Kajal reichen. Die weiblichen Besucher treiben etwas mehr Aufwand bei der Gesichtsbemalung, zollen der Hitze aber auch ihren Tribut. Dafür gibt’s...
Beitrag lesenAuch das ist Berlin.
Jeden Morgen quält sich auch der unmotorisierte Berliner durch den Berufsverkehr: als Ersatz für die morgendliche Rushhour dienen überfüllte S- und U-Bahnen. Wer jemals dachte das nur in einer Parfümerie eine solche Vielfalt von Düften zu finden ist, der fuhr noch nie um acht Uhr mit der U1. Menschen aller Couleur und jeden Alters befinden sich auf den Weg zu ihrem Ziel. Sei es nun um unser Bruttosozialprodukt zu steigern oder die freie Zeit mit Shopping und Spaziergängen zu verbringen. Letzteres gilt vornehmlich für die glücklich...
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