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6 Dinge, die man einem Auswanderer nicht an den Kopf werfen sollte.

6 Dinge, die man einem Auswanderer nicht an den Kopf werfen sollte.

Auswanderer kennen sie alle, die berühmten Fragen von Freunden und Familie bei Feiern, bei Besuchen, per Telefon oder Mail. Unsere Freunde und Familien vermutlich nicht. Also hier sind sie, die 6 Dinge, die man einem Auswanderer nicht an den Kopf werden sollte.

„Ihr habt echt Glück!“

Natürlich wissen wir um die Vorzüge in einigem sonnigen Land zu leben, mit freundlichen Menschen um uns herum und völlig neuen Aufgabengebieten und Jobangeboten. Aber daraus zu schließenm, wieviel Glück wir haben, würde bedeuten das unser Mut, viel harte Arbeit und unser Durchhaltevermögen keine Rolle gespielt hätten. Wenn Ihr hier leben wollt, dann könnt ihr das auch. Ihr habt Euch nur eben dagegen entschieden. Das hat mit Glück nichts zu tun!

„Sprecht ihr schon fliessend Spanisch?“

Jetzt mal ehrlich: was denkt ihr denn, wie lange es dauert, eine neue Sprache zu meistern? So viele von uns verbringen Stunde um Stunde am Tag um eine neue Sprache zu lernen und es ist frustrierend genug, nach einem Jahr noch nicht mal den Kindergarten-Level erreicht zu haben. Uns zu fragen, wie gut wir die Sprache mittlerweile sprechen, macht uns nur verlegen wir fühlen uns schlecht dabei. Lasst es bitte.

„Ach bitte, es kann doch nicht sooo schlimm sein“

Wenn ich mich darüber aufrege wie frustrierend es hier sein kann, zum Beispiel um ein Bankkonto oder reguläre Meldeadresse zu eröffnen, dann kommt mir bitte nicht mit „Hey, so schlimm kann es nicht sein. Du wohnst direkt am Strand“ oder „Du hast das ganze Jahr über Sonne. Wir müssen bei Regen vor der Sparkasse stehen!“. Nur weil ich ausgewandert bin, heisst es nicht, das alle Probleme in Deutschland geblieben sind. Spanien hat vielleicht das bessere Wetter, aber die Herausforderungen, die hier zu meistern sind, bleiben die gleichen.

„Das geht Dich doch alles nichts mehr an“

Ja, ich lebe nun in Spanien und Gibraltar, meiner neuen Heimat. Das heisst aber nicht das ich kein Interesse mehr an meiner alten Heimat habe. Natürlich rege ich mich über die Streiks auf – gerade als Ex-Berliner weiss ich, wie kompliziert es wird wenn die Öffentichen streiken und man kann verstehen wenn die Beteiligten dann über die „Geiselnahme von Verdi“ schimpfen. Und ich schimpfe mit.

„Du solltest viel mehr mit Spanier unternehmen“

Gerne. Sehr gerne. Aber alles der Reihe nach. So lange ich die Gastsprache noch nicht ausreichend gut spreche ist halt Deutsch oder Englisch für mich einfacher. Ich lache in Deutsch oder Englisch, ich weine in Deutsch oder Englisch und ich schimpfe in Deutsch oder Englisch. Konversation fällt mir einfacher in Deutsch oder Englisch. Manchmal brauche ich einfach Menschen um mich, wo ich nicht noch über die Sprache stolpere. Alles zu seiner Zeit. Versprochen.

„Wann kommst Du wieder zurück nach Deutschland?“

Mal ehrlich, wir haben doch nicht aus Spaß zwei LKW Ladungen voll Kram nach Spanien verfrachten lassen und die Kinder auf eine neue Schule geschickt? Vielleicht kommen eines Tages „wieder heim“, aber nicht so bald. Wir haben uns hier eingelebt, Freunde gemacht und halten diesen wichtigen Schritt nicht für eine vorrübergehende Phase.

Der Originalbeitrag wurde im Mai von Atlas & Boots veröffentlicht. Man bat damals in einer Umfrage Expats um ihre Erfahrungen. Der Beitrag ging um die Welt und wurde von hunderten Expats veröffentlicht oder – wie bei mir – unter deren Gesichtspunkten neu geschrieben.

About The Author

Heiko

BüroAmMeer. Fotografiert gern. Produktmanager, Projektleiter, Softwareentwickler und Game Designer, je nach Tageszeit, Erfordernis, Lust und Laune. Auswanderer, Roadsterliebhaber.

6 Comments

  1. Elly Teratur

    Lieber Heiko,

    lass mich als jemanden, der Euer Leben begleiten darf, noch ergänzen: durch Euch zu sehen, was es heißt, in einem fremden Land im Alltag zu leben, heißt für mich auch, sich eine solche Entscheidung unglaublich gut zu überlegen. Eben genau so, wie ihr es getan habt. Und jeder, der denkt, Ihr lasst Euch den ganzen Tag nur die Kokosnüsse (Ihr habt Kokosnüsse? Ich will auch Kokosnüsse) auf den Kopf fallen, der kann das ja daheim bei seiner Yucca-Palme nachspielen. Und liegen bleiben.

    Aber einen Einwand habe ich. Es fehlt die entscheidende Frage Nummer 7: „Wie lange noch bis Schaumwein und Kokosnüsse – auf meinen Kopf?“

    Hugs,

    Elly

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    • Heiko

      Grundsätzlich ist der Umzug innerhalb Europas ähnlich einfach (oder kompliziert) wie innerhalb Deutschlands. Die Sprache stellt eine Herausforderung dar, gerade mit Kindern. Aber man sollte sich auch nicht verrückt machen und seinen Traum ständig vor sich herschieben oder gar aufgeben. Hindernisse gibt es immer. Egal ob in Berlin, Ettlingen oder Alcaidesa.

      Das mit den Kokosnüssen stellt eine Herausforderung dar. 🙂

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  2. Paco vom Berg

    Meine Lieblingsfrage:
    Und war das schwierig mit der spanischen Staatsbürgerschaft?

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    • Heiko

      Ich kenne da Leute, die haben JAHRE gebraucht, bis man sie als Spanier akzeptiert hat 🙂

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  3. @derherrgott

    Was mein Kanzler sagt. Freie Entscheidungen bringen – seltsamer Weise – immer auch Menschen auf den Plan, die meist ungefragt, ihren Neid in guten Ratschlägen oder schlauen Fragen verpacken. Und das dann eben auch, ohne zu wissen, was wirklich angeht. Ihr macht das klasse, soweit ich das von hier aus beurteilen kann. Aber dass Ihr keine Kokosnüsse….

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  4. Uli

    Schöner Beitrag und das musste auch mal gesagt werden. Ich bin zwar einer derjenigen die sich bewusst dagegen entschieden haben, aber wenn ich mir anschaue wie konsequent ihr das durchgezogen habt gegenüber anderen die wieder zurück sind nach ein-zwei Jahren: RESPEKT !

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