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Alle Jahre wieder.

Alle Jahre wieder.
Jedes Jahr, gerade rechtzeitig zu den großen Innenstadtmärkten zu Weihnachten, schallt „El Condor Pasa“ durch die hohlen Gassen der Einkaufsmeilen: Zimbeln, Rasseln und Trommeln, getragen vom sehnsüchtigen Flötenklang diverser Block- und Panflöten lässt Auslagen der Schaufenster und Konsumwillige erzittern.

Und richtig, da stehen sie auch schon gleich ums Eck. Die peruanisch indianisch anmutenden Spieler in Fransenjacken und Cowboystiefeln, die zum basschwangeren Klang des Playbacks debil grinsend ihre Blockflöten schwenken. Die Hohl- und Flachpfeifen geben natürlich keinen Ton von sich. Und das ist gut so. Denn spielen können sie alle nicht.

Mittlerweile ist aus den Nachfahren der Schafe züchtenden Kelly-Family, so scheint mir, ein international agierender Konzern entstanden. Vermutlich im Franchiseverfahren erteilt irgendeine „Indio-amerikanische Holzblasmusik- und Tonträger Vertriebs- und Verwertungsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Bielefeld-Gellershagen an südamerikanisch aussehende Lehramtsanwärter aus Wroclaw (nähe Lodz) komplette Lizenzen für Deutschlands Innenstädte. Dazu kann man im Internet in einschlägigen Wandermusiker-Foren und auf Facebook die passenden Ausstattungspakete ordern: Typ „Marktplatz“, bestehend 2 stillen Blockflöten, 500 CDs mit „den größten Weihnachtshits für Block- und Panflöte“ (bedruckt mit dem eigenem Konterfrei aus dem Profilfoto), Lautsprecheranlage und Mikrofonständer mit allen Kabeln. Sieht gut aus, macht Eindruck und für den erfolgreichen Auftritt gibt es auch gleich eine Stunde Playback-Training von den Millie Flanillies, einer Frank Farian Coverband, dazu. Je nach Gusto kann man auf das Paket „Familientradition“ mit bis zu 5 Block- und Panflöten upgraden und sogar zwei Lautsprecher für laute Weihnachtsmärkte ordern. Dekorative „original indianische“ Decken oder der Kopfschmuck aus dem Siebengebirge kostet aber extra.

AC/DC wäre vermutlich neidisch auf so eine Bühnenausstattung. Und ich kann dieses Geflöte und Geblase nicht mehr ertragen und hole mir jetzt einen Glühwein.

Eine schöne Adventszeit Euch allen.

About The Author

Heiko

BüroAmMeer. Fotografiert gern. Produktmanager, Projektleiter, Softwareentwickler und Game Designer, je nach Tageszeit, Erfordernis, Lust und Laune. Auswanderer, Roadsterliebhaber.

12 Comments

  1. Bone

    Ein Grund mehr das bestehende Waffentrageverbot in Deutschland einfach aufzuheben 😀

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    • Heiko

      Ich neige ja nicht zur Gewalt. Aber so hin und wieder möchte ich Ihnen zustimmen. 🙂

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  2. Judy

    Heuer sind mir die bisher noch nicht untergekommen. Aber ich war in letzter Zeit ja auch leider eher ans Haus gefesselt…

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    • Heiko

      Keine Sorge, Du entkommst ihnen nicht. Niemand entkommt ihnen. Niemand!

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      • Judy

        Ich weiß. Die sind hier ja normal auch an allen Ecken…

  3. Frl. K.

    Ich hab die noch nie gesehen! Echt nicht! Bei uns sinds manchmal die Südamerikaner vom Titikaka-See. Aber sonst? Mhm. Nö.

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    • Heiko

      Genau das sind sie. Nur kommen sie aus Wanne-Eikel, Gelsenkirchen, Niederhövelde oder Steinhuder Meer 😀

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  4. Man on Streets

    Einfach mal den Stecker aus dem Dieselgenerator rausziehen. Dann wenigsten kurz ruhe.

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  5. Madi

    Also…auch wenn ich dafür vielleicht…eventuell…sogar wahrscheinlich Schläge bekommen werde…aber ich hör denen gerne zu…

    *wechflitz*

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  6. Der Applejünger

    Hallo??
    Haaaallo???
    *In die Stille horch* *mit den Schultern zuck’*
    Nix mehr los hier… 🙁

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  7. Mendweg

    So – jetzt habe ich es verarbeitet. Endlich.
    Herr Kanzler, ich bin böse mit Ihnen! Drei Jahre USA und dann ein Kuhkaff im Allgäu waren von Nöten um dieses Flötenquälerpack zu verdrängen – zu verarbeiten und zu vergessen. Für immer, wenn einen nicht irgendjemand daran erinnert…
    Danke

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    • Heiko

      Jetzt seiense ma ein Mann, Herr Mendweg. Wir packen das alle schon. 🙂

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